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Forschung

Orientierung im Zertifizierungsdschungel: Impulse für die Bioökonomie aus dem TransBIB-Dialog

Wie gelingt Orientierung im Zertifizierungsdschungel der Bioökonomie? Am Kunststoff-Zentrum SKZ in Würzburg kamen Vertreter aus Industrie, Forschung, Beratung sowie Zertifizierungsorganisationen vor Ort und online zu einem Abschlussworkshop zusammen. Im Fokus standen die Ergebnisse einer mehrstufigen Dialogreihe aus dem Arbeitspaket „Zertifizierung und Regulation“, die diskutiert, bewertet und mit Blick auf ihren weiteren Transfer eingeordnet wurden. Auch die Rolle von TransBIB wurde dabei beleuchtet.

06.07.2026
Die beiden Moderatoren des TransBIB Workshops sind zufrieden

Gregor Menzel PIC – PI Innovation Culture GmbH, links) und Philipp Wohlfahrt (SKZ) moderierten und leiteten den Workshop. (Foto: Melly & Martin Photography)

Abschlussworkshop am SKZ zeigt Handlungsbedarfe und Lösungsansätze für Nachhaltigkeitszertifizierungen auf

Der Workshop bildete den Schlusspunkt einer Reihe von Interviews und Fachworkshops, in denen sowohl der Nutzen als auch die Herausforderungen von Nachhaltigkeitszertifizierungen in der Bioökonomie intensiv beleuchtet wurden. Ziel war es, ein fundiertes Verständnis für die Rolle von Zertifizierungen zu entwickeln und konkrete Ansatzpunkte für die Praxis abzuleiten.

Zentrale Handlungsfelder für mehr Transparenz und Wirkung
Im Mittelpunkt der Diskussion standen drei Handlungsfelder, die sich im Rahmen des Stakeholderdialogs als besonders relevant herauskristallisiert hatten. Dazu zählen Informations- und Orientierungsangebote, Harmonisierungsansätze für die bestehende Zertifizierungslandschaft sowie die Rolle der öffentlichen Beschaffung als potenzieller Ankerkunde für biobasierte Produkte.

„Zertifizierungen bieten einen klaren Mehrwert für Unternehmen: Als Nachweis gegenüber Kunden und als Grundlage für Nachhaltigkeitsaussagen. Gleichzeitig zeigte sich im Dialog aber auch, dass der Nutzen von Zertifizierungen weiter reicht. So kann sie der Glaubwürdigkeit und Attraktivität eines Unternehmens zuträglich sein und liefert eine nützliche Grundlage für Nachhaltigkeitsberichte“, sagt Philipp Wohlfahrt, Scientist am SKZ und Leiter des Stakeholderdialogs.

Öffentliche Beschaffung als Hebel für die Bioökonomie
Ein zentrales Ergebnis des Workshops war die Erkenntnis, dass es keine universelle Lösung für alle Branchen geben kann. Gleichzeitig wurde ein großes Potenzial in der öffentlichen Beschaffung gesehen. Als bedeutender Marktakteur kann die öffentliche Hand die Nachfrage nach biobasierten Produkten gezielt stärken, sofern Nachhaltigkeitskriterien rechtssicher, transparent und mit Blick auf den gesamten Lebenszyklus anstelle des reinen Einstandspreises angewendet werden.H

Harmonisierung zwischen Anspruch und Realität
Harmonisierungsansätze wurden von den Teilnehmenden ambivalent bewertet. Vereinheitlichungsbestrebungen wie Mindeststandards oder übergeordnete Strukturen stoßen häufig auf Kritik, da sie unter anderem mit den Eigeninteressen bestehender Label konkurrieren und deshalb nur begrenzt umsetzbar erscheinen.
Viele Beteiligte plädierten stattdessen für praxisnahe Lösungen. Dazu gehören insbesondere branchenspezifische Standards, etwa im Bereich von Ökobilanzen oder biogenen Anteilen. Ebenso wurde eine bessere gegenseitige Anschlussfähigkeit bestehender Systeme sowie eine intensivere Zusammenarbeit zwischen den Akteuren als sinnvoll erachtet.

Informationsangebote als Schlüssel zur Orientierung
Als besonders wirkungsvoller Ansatzpunkt wurden Informations- und Orientierungsangebote identifiziert, die Unternehmen den Zugang zu Zertifizierungen erleichtern und deren Anwendung vereinfachen können.

„Genau hier setzen wir im Rahmen von TransBIB an: Mit praxisnahen Informationsangeboten, transparenter Aufbereitung und dem Ziel, Orientierung im Zertifikatedschungel zu schaffen. Eine zentrale Anlaufstelle hierfür ist der TransBIB One-Stop-Shop, in dem wir neben vielen anderen Inhalten eine umfangreiche Datenbank an Zertifizierungen angelegt haben, die sich mittels KI-Chatbot intuitiv durchsuchen lässt“, so Romann Glowacki vom TransBIB-Team.

Zudem gebe es kostenlose Lerneinheiten, die in kurzen Videos eine Einführung in die Welt der Nachhaltigkeitszertifizierung geben würden – auch für biobasierte Kunststoffe, ergänzt Philipp Wohlfahrt. Mit diesen Angeboten leistet das Transfernetzwerk einen wichtigen Beitrag, um Erkenntnisse aus Forschung und Dialog in die praktische Anwendung zu überführen. Gleichzeitig wurde betont, dass die Inhalte auch über die erste Förderphase hinaus kontinuierlich gepflegt und aktualisiert werden müssen.

Wissenstransfer als Motor der industriellen Bioökonomie
Mit dem erfolgreichen Abschluss des Stakeholderdialogs und zahlreichen neuen Erkenntnissen unterstreicht TransBIB seinen Anspruch, die industrielle Bioökonomie gezielt voranzubringen. Durch effektiven Wissenstransfer, eine enge Vernetzung der Akteure und praxisnahe Werkzeuge trägt das Netzwerk dazu bei, Innovationen schneller in die Anwendung zu bringen und Unternehmen bei der nachhaltigen Transformation zu unterstützen.

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Ansprechpartner:

Philipp Wohlfahrt
Scientist | Transformation der Kunststoffindustrie
Würzburg
p.wohlfahrt@skz.de

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