DE | EN | CN
Werkzeugatmung im Visier

image025Unter dem Begriff „Werkzeugatmung“ sollen hier alle Verformungen (Biegung, Stauchung, Dehnung) und Verschiebungen von Werkzeughälften oder Werkzeugteilen zu­ei­nander durch den Schließvorgang und die Formteilbildung zusammengefasst werden.

Physikalisch entsteht die Formteilqualität durch das Zusammenwirken der Zustandsgrößen Druck, Temperatur und Volumen. Das Volumen des Werkzeughohlraums ist nicht wie häufig angenommen eine Konstante, sondern vergrößert sich unter den hohen Forminnendrücken durch Verformungen des Werkzeugs und der Schließeinheit. Beim Abbau des Forminnendrucks federn die Verformungen zurück, das Volumen verringert sich. Diese Verkleinerung des Volumens wirkt verdichtend auf die Formmasse und beeinflusst dadurch alle Qualitätsmerkmale, die von der Verdichtung abhängen, wie z.B. Lunker, Einfallstellen, Schwindung und Verzug. Das Zurückfedern von Verformungen kann aber auch zum Einklemmen von Formteilen und somit zu Entformungsschwierigkeiten führen (Schraubstockeffekt).

WerkzeugatmungÜber die sich im Verborgenen abspielende Beeinflussung der Formteilqualität hinaus kann die Atmung im Werkzeug Spalte öffnen, in die Schmelze eindringt. Die trivialen Folgen sind Schwimmhäute und Gratbildung. Schwerwiegendere Konsequenzen sind Werkzeug­schädigungen durch rückfedernde Werkzeugteile, die den überspritzten Kunst­stoff in den Stahl pressen, der dadurch je nach Härte mehr oder weniger eingedrückt wird. Dies führt zu Kantenrundungen und zu unsauberen Abbildungen der Trennkanten an den Formteilen sowie bleibender Gratbildung.

Ein weiterer Aspekt der Werkzeugatmung ist Werkzeugverschleiß. So führt z.B. ein Versatz der Werkzeughälften oder anderer beweglicher Werkzeugteile schon beim Schließen zu Fluchtfehlern ineinander tauchender Werk­zeugteile und dadurch zum Abrieb der Passungen.

Ansprechpartner:

Geschäftsfeldleiter Spritzgießen

Dipl.-Ing. Klaus Schink
Friedrich-Bergius-Ring 22
97076 Würzburg
Tel: +49 931 4104-172
Fax: +49 931 4104-377